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CS1 und CS2: Was kontrolliertes Versenden für Druckgusslieferanten bedeutet

Kontrolliertes Versenden ist die Notbremse der europäischen Automobilindustrie bei Qualitätsproblemen. Was CS1 und CS2 verlangen, welche Pflichten Sie haben und wie Sie wieder herauskommen — für chinesische Druckgusswerke mit deutschen Tier-1-Kunden.

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Ein Naisitong-Ingenieur vor Ort und ein deutscher Qualitätsmanager prüfen Druckguss-Aluminiumteile im Rahmen kontrollierten Versands.

Kontrolliertes Versenden (Controlled Shipping) ist die Notbremse der europäischen Automobilindustrie, wenn Teile eines Lieferanten weiter unten in der Kette Qualitätsprobleme verursachen. Für ein chinesisches Druckgusswerk, das an einen deutschen Tier-1 liefert, wirkt die erste Containment-Mitteilung oft plötzlich und undurchsichtig. Dieser Beitrag erklärt den Ablauf, Ihre Verpflichtungen und wie Sie den Ausstieg planen.

Was CS1 und CS2 bedeuten

CS1 (auch CS Level 1 oder Q1) verlangt eine parallele Prüfung. Ihre Teile laufen weiter über den normalen Logistikweg, müssen aber vor der Freigabe eine zusätzliche Prüfung durchlaufen — in der Regel 100-%-Sicht- oder Lehrenprüfung gemäß Spezifikation. Die Kosten tragen Sie; dokumentierte Sortierberichte begleiten jede Sendung.

CS2 (auch CS Level 2 oder Q2) umfasst dieselbe parallele Prüfung plus eine redundante Prüfung beim Kunden — ebenfalls auf Ihre Kosten. Ab diesem Punkt gelten Ihre Teile im Wareneingang des Kunden als nicht vertrauenswürdig; jede Lieferung muss von einem externen Qualitätsdienstleister revalidiert werden, bevor sie in die Linie geht.

Die Stufen bauen aufeinander auf: zuerst CS1. Schlägt weiterhin fehlerhaftes Material durch, eskaliert der Kunde auf CS2.

Warum Verhandeln in dieser Phase keine Option ist

IATF 16949 gibt Kunden das Recht, kontrolliertes Versenden einseitig anzuordnen. Im Liefervertrag steht in der Regel sinngemäß: Der Lieferant setzt kontrolliertes Versenden auf Kundenwunsch und auf eigene Kosten um, bis die Ausstiegskriterien erfüllt sind. In dieser Phase gibt es keinen Raum für Preisverhandlung — nur für Ausführung.

Wer den Lieferantenqualitätsmanager anruft und mit Kostenaufteilung für das Containment beginnt, erreicht selten etwas. Ziel ist nicht der Preis, sondern der Wiederaufbau von Vertrauen.

Der einzige wirksame Hebel ist Geschwindigkeit: Wie schnell liegt eine belastbare 8D vor? Wie schnell belegt die Sortierung ihre Wirksamkeit? Wie schnell sind die Ausstiegskriterien erfüllt?

Warum CS1/CS2 aus China besonders belastend ist

Drei Faktoren machen kontrolliertes Versenden für überseeische Lieferanten schmerzhaft:

Erstens: Der Sortierer muss beim Kunden vor Ort sein. Einen eigenen Ingenieur für vier Wochen einzufliegen rechnet sich selten: Visum, Unterkunft, Leerlauf an Wochenenden, eine Person, die Werk und Kunde nicht gleichzeitig abdecken kann. Sie brauchen einen Partner in Deutschland, der innerhalb von 24 bis 48 Stunden am Kundentor stehen kann.

Zweitens: Die 8D läuft nach europäischer Arbeitszeit. Kunden erwarten D2 (Problembeschreibung) innerhalb von 24 Stunden, D3 (Zwischenmaßnahme) innerhalb von 48 Stunden, die vollständige 8D innerhalb von zehn Arbeitstagen. Die Zeitverschiebung verkürzt Ihr effektives Reaktionsfenster weiter.

Drittens: Ausstiegskriterien sind objektiv. Üblich sind null Befunde über N aufeinanderfolgende Sendungen — oft 20 oder 50. Ein einziger Durchschlupf setzt den Zähler zurück. Nachlässigkeit in der Sortierung verlängert die Containment-Phase um Wochen.

Was ein Partner vor Ort leistet

Ein Ingenieur vor Ort, der Deutsch und Chinesisch spricht und die Defekttaxonomie des Druckgusses kennt, kann Folgendes leisten:

  • Innerhalb eines Arbeitstages beim Kunden die Sortierung starten, Annahmekriterien abstimmen und ab dem ersten Karton Fotos sowie Lehrenwerte dokumentieren
  • Befunde des Kunden in technisches Chinesisch ins Werk zurückmelden — nicht über Corporate English, das bei Werksmitarbeitern in Shenzhen oder Wuhan regelmäßig missverstanden wird
  • Die 8D zweisprachig führen: deutsche Fassung an den Kunden, chinesische Fassung an die Werksleitung — gleiche Datenbasis, synchron aktualisiert

Ohne diese Brücke steigt die Wahrscheinlichkeit einer Eskalation auf CS2 deutlich. CS2 kostet etwa das Dreifache von CS1 — und macht neue Programme bei diesem Kunden in den folgenden zwölf Monaten praktisch unmöglich.

Wann Sie Unterstützung brauchen

Warten Sie nicht auf den formellen CS1-Brief. Sobald der Kunde einen Quality Alert, ein Spike Form oder eine RGA-Nummer für Ihre Teile auslöst, läuft die Uhr. Eine präventive Sortierung im Wareneingang des Kunden — bevor CS1 formal verhängt wird — verhindert in vielen Fällen den Eintrag ins Controlled-Shipping-Register und schützt Ihr Lieferantenrating.


Wenn Sie aktuell CS1 oder CS2 durchlaufen und Vor-Ort-Unterstützung in Deutschland oder angrenzenden Ländern benötigen, sprechen Sie uns an.

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